K A P U Z I N E R G E S C H I C H T E I N D E R U K R A I N E
Kapuziner und polnische Könige
Die Geschichte des Ordens in der Ukraine wurde ursprünglich mit der Rzeczpospolita, zu deren Bestand in jener Zeit die Ukraine gehörte, verbunden. König Jan III. Sobeski hat die ersten Mönche als Hofkapellane der Königsfamilie eingeladen, und mit der Zeit hat er ein Erlaubnis vom Heiligen Stuhl für Kapuziner erreicht, in der Rzeczpospolita festen Aufenthalt zu nehmen. Zuerst betraf dieses Erlaubnis nur zwei Städte: Warschau und Krakow.
Das erste Kloster wurde in Warschau in der Medowa-Strasse auf dem Platz, der vom König geschenkt wurde, gebaut. Am 16. Juli 1683 hat Jan III. Sobeski selbst den Grundstein für Gotteshaus und Kloster feierlich gelegt. Im Jahre 1694 haben sich die Kapuziner hier angesiedelt.
Das erste Kloster im ukrainischen Lande
Im Jahre 1692 sind die Kapuziner nach Krakow gekommen, und 1699 wurde hier schon das zweite Kloster in der Rzeczpospolita gebaut. Weiter haben die Mönche in Lwow Zuflucht gefunden. 1709 sind Kapuziner auf den Vorschlag von Fürstin Elisaweta Sinjawskaja aus dem Geschlecht von Lubomirski, Ehefrau von Adam Nikolaj, Großem Kronhetman und Belsker Vaivode, nach Lwow gekommen. 1751 wurde es über die Gründung der Gemeinde offiziell gemeldet.
In Lwower Kloster befand sich ein Noviziat (1723-1733), Fakultäten für Philosophie und Theologie (seit 1739), die ein hohes Bildungsniveau hatten.
Die goldene Periode von Kapuzinern (1738 – 1772)
Trotzdem, dass sich die Kapuziner von Anfang an in den wichtigsten Städten des Staates: Warschau (1683), Krakow (1692), Lwow (1707), Lublin (1721) gesiedelt haben, wurde ihre Anzahl auf diesen Territorien in der ersten Hälfte des XVII. Jhs. nicht bedeutend größer. Seit 1738 begann die goldene Periode des Ordens in der Rzeczpospolita, wenn das polnische Kommissariat unter Vormundschaft von der tschechisch-mährisch en Provinz übergeben wurde.
Die tschechischen Kapuziner haben nicht nur die neuen Fonds angenommen, sondern selbstständig die Möglichkeiten der Erscheinung von neuen Klöstern gesucht. In 1739 – 1754 wurden 14 neue Klöster angenommen, die Anzahl von Mönchen hat sich von 62 (im Jahre 1739) bis zu 208 (1753) vergrößert. Dank den tschechischen Kapuzinern gewann das polnische Kommissariat 1754 den Status einer Provinz, die den Namen von heiligen Wojzech und Stanislaw trug.
Bis zu 1772 wurde die Provinz immer größer, die Anzahl der Klöster (bis 25) und Mönche (375) vermehrte sich. Während dieser Periode erschienen viele Klöster auch in den östlichen Ländern von der Rzeczpospolita, die heute zur Ukraine gehören.
Teilung der polnischen Provinz
Nach der Teilung der Rzeczpospolita zwischen Russland, Österreich und Preußen (1772, 1793, 1795) gerieten die Mönche des Ordens von polnischer Provinz in die verschiedenen Länder. Die Kapuziner von den heutigen ukrainischen Territorien gerieten in zwei Reiche: eine ins Österreichische (Galitschina), und die anderen – ins Russische (Zentralukraine und Wolyn).
Kapuziner in Ostgalitschina
Im Österreichischen Reich, zu dem auch West- und Ostgalitschina gehörte, haben die Kapuziner die Galizprovinz geründet. Zu dieser Provinz gehörten 8 Klöster. Darunter auf dem Territorium der heutigen Ukraine: in Lwow, Olesko (neben Solotschew), Kutkore (neben Lwow), Mariampole (Marinopole, neben Iwano-Frankowsk).
Kaiser Joseph II. hat mit seinem Dekret die Schließung von Kapuziner Klöstern auf den heutigen ukrainischen Ländern in Mariampole 1783, in Olesko und Lwow 1785 gefördert. 1788 zwar gelang es, das Kloster in Olesko zurückzunehmen, aber die Galizprovinz war wegen der Staatsverfolgungen sehr geschwächt.
1864 wurde das Kloster in Krakow zur Galizprovinz zugefügt. 1902 wurde diese Provinz bis zum Rang des Kommissariates versetzt, das im Jahre 1921 als Krakower umbenennt wurde.
Die Revolutionsereignisse Anfang XX. Jhs., Bildung der zweiten Rzeczpospolita und der Sowjetunion haben die Änderungen ins ukrainische Land und Mönchleben mitgebracht.
In der ersten Hälfte des XX. Jhs. in Ostgalitschina erschienen die neuen Klöster: 1904 in Lwow-Zamarstynow, 1934 in Drogobytsch.
Am 30. Mai 1939 wurde der Provinzrang Krakower Kommissariat gegeben, die Provinz bekam den Namen von hl. Joseph. In diesem Jahr wurde auch das Kloster in Ostrog (Wolyn) den Krakower Kapuzinern zurückgegeben, das früher zur Russischen Provinz gehörte.
In jener Zeit hat die Sowjetunion die Westukraine zur Sowjetukraine angegliedert. Darum wegen des atheistischen Regimes sollten die Kapuziner die Klöster in Olekso, Kutkore, Ostrog, Lwow-Zamatstynow, Drogobytsch verlassen.
Die Russische Provinz der Kapuziner (1795 – 1888)
Die Geschichte der Mönche, die unter die Macht des Russischen Reiches gerieten, war auch tragisch.
Nach der Teilung von Rzeczpospolita, im Jahre 1796 haben 11 Klöster, die sich auf dem Territorium der heutigen Ukraine befanden, die unabhängige Kapuzinerprovinz gegründet, die den Namen „Russische“ (vom Wort „Russ“) unter Schutz von hl. Wojzech und Stanislaw bekam. Zu ihrem Bestand gehörten solchen Klöster: in Brusilow, Winnitza, Wladimir Wolynsky, Dunaiwzy, Zbryzh, Kuna, Ljubeschew, Ostrog, Starokonstantinow, Ustilug.
Im Moment der Gründung zahlte die Provinz 99 Mönche. Dank den Privilegien, die sie von Petr I. bekommen haben, konnten die Kapuziner die aktive Tätigkeit führen. In jener Periode wurde der Aufbau der neuen Klöster in Dunaiwzy, Chodorkow, Zbryzh beendet.
Zwei große Aufstände des polnischen Volkes gegen der russischen Herrschaft (im November 1830-1831 und im Januar 1863) wurden entscheidend im Schicksal der Kapuziner auf dem Territorium der Zentralukraine und Wolyn. Die Franziskaner wurden immer mit den gewöhnlichen Menschen einig, darum sah die Königsgewalt in ihnen die Gefahr der Einwirkung auf die Menschen und begann die Liquidierung der Klöster von Kapuzinern. Nach dem ersten Aufstand blieb nur vier wirkende Klöster: Winnitza, Starokonstantinow, Brusilow, Chodorkow. Sie wurden nach dem zweiten Aufstand liquidiert. Am längsten hielt sich das Kloster in Winnitza (bis 1888). So hat die Russische Provinz der Kapuziner mit ihrer Existenz aufgehört.
Die Ukraine ohne Kapuziner
Nach der Liquidierung der Russischen Provinz 1888 verblieben die Mönche offiziell auf dem Territorium der heutigen Ukraine nur in Galitschina, wo Österreich herrschte. Aber auch hier dauerte ihre Anwesenheit nur bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. In der Sojewukraine blieben nur zwei Kapuziner: Seraphim Kaschuba und Hillary Wilk. Die Sowjetgewalt erlaubte ihnen, einige Zeit lang zwischen polnischer Bevölkerung zu arbeiten. Seraphim Kaschuba war bis zu 1959 Vorsteher in Rowno, Apostel von ganzer Wolyn und mit der Zeit auch von ganzer Sowjetunion; und Hillary Wilk war bis zu 1958 Kirchenvorsteher in Bar Winnitzer Gebiet. Einige von Kapuzinern aus Krakower Provinz Remiliy Kranz und Albin Janocha wurden von Sowjetgewalt nach Sibirien deportiert. V . Hillary Wilk ist auch Sibirien nicht entgangen .
Nach dem Tod von Seraphim Kaschuba im Jahre 1977 in die Ukraine kam 11-jährige „Kapuzinerstille“, nach der die Erneuerung der Anwesenheit von Kapuzinern in diesem Land begann.
Die heuzeitliche Geschichte von ukrainischen Kapuzinern
Die Kapuziner kehrten in die Ukraine 1988. Der erste war Br. Stanislaw Padewsky, der heute Ordinärer von Kharkow-Zaporozhsker Diözese ist. Zuerst halfen die Brüder den Priestern in Pfarreiarbeit und mit der Zeit bekamen eigene Häuser: 1989 kehrten sich die Kapuziner in ihr altes Kloster in Starokonstantinow zurück, im nächsten Jahr haben sie das Haus in Krasilow geöffnet, 1992 kehrten sie sich nach Winnitza zurück, und seit 1993 arbeiten sie auch in der Hauptstadt der Ukraine – Kiew.
Am 5.Januar 1995 wand sich Br. Richard Modelsky, Provinzminister von Krakower Provinz, an den Generalvorstand mit einer Bitte, für die arbeitende in der Ukraine Brüder eine Kustodie zu gründen. Das entsprechende Dekret vom 13. Juni 1995 trat in Krafft am 05. Juli 1995. Der erste Vorsteher von Kustodie war Br . Blazhej Suska. Im Moment ihrer Gründung arbeiteten in der Ukraine neun Brüder, und einige Brüder aus der Ukraine waren in jener Zeit in Polen und gingen die Anfangsformation durch. Zu jener Zeit hatten die Kapuziner vier Mönchhäuser in der Ukraine: in Starokonstantinow, Krasilow, Winnitza und Kiew.
Die folgenden Jahre waren die Periode von weiterer Entwicklung der Kustodie sowohl im territorialen, als auch im quantitativen Sinne. 1999 wurden die neuen Mönchhäuser in der Ostukraine in Dnepropetrowsk und Dneprodzerzhynsk geöffnet. Anfang 2002 hat Br. Jatzek Waligura, der Provinzminister von Krakower Provinz, den Brüdern aus der Kustodie in der Ukraine vorgeschlagen, ein Haus auf dem Territorium von Russischer Föderation zu öffnen.
Im März 2002 fuhr Br. Petr Komornytschak, der Reguläre Vorsteher der Kustodie in der Ukraine, nach Russland, um die Situation kennen zu lernen und sich mit den Bischöfen von Moskau und Saratow zu treffen. Im Juli 2002 hat sich Br. Jatzek Waligura mit seiner Eminenz Klement Pikkel, Ordinär von Saratower Diözese, getroffen, um die Möglichkeiten der Gründung des Mönchhaus in Woronezh zu besprechen. Auf den Vorschlag vom Bischof Pikkel im Juli 2003 kamen die ersten Kapuziner nach Woronezh: Br. Wiktor Swiderski und Br. Marek Bakezhynski. Sie wohnen vom November 2003 im neugebauten M ö nchhaus .
Die Entwicklung des Ordens führte dazu, dass am 14. Juni 2004 die Kustodie von Minderen Brüdern Kapuzinern als Vize-Provinz der Ukraine und Russland bezeichnet wurde, aber der Krakower Provinz untergeordnet blieb.
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